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Deutsche kaufen Schweizer Immobilien zu jedem Preis

Deutsche kaufen Schweizer Immobilien zu jedem Preis, aus Angst um den Euro investieren Deutsche in Immobilien im Alpenland. Gekauft werden Objekte in den Toplagen von Genf oder Zürich – zu Preisen, über die Schweizer nur noch den Kopf schütteln.

Reagieren Sie, bevor der plötzliche Tod des Euro eintritt. Dies rät eine Schweizer Investmentgesellschaft in einem Newsletter ihrer deutschen Kundschaft. Die Gemeinschaftswährung liege bereits auf dem Sterbebett und atme nur noch dank der Herz-Lungen-Maschine Deutschland.

Der Weg der Erlösung führt in die Schweiz. “Transferieren Sie Ihr Vermögen in die sicherste Demokratie Europas. In die Schweiz, dorthin wo Privatvermögen respektiert wird”, lautet die Empfehlung. Trotz der markigen Worte, die an der Seriosität des Absenders zweifeln lassen, trifft der Kern der Botschaft viele vermögende Europäer mitten ins Herz.

Mit der Zuspitzung der Euro-Krise ist die Verunsicherung gewachsen. Statt nach einer rentablen Vermögensanlage suchen sie heute teils nur noch nach einer Möglichkeit, ihr Besitztum zu erhalten. Und diese bietet sich ihnen im Kauf von Gewerbeimmobilien in der Schweiz – egal zu welchem Preis.

Schweizer Immobilien – Aggressives Auftreten

Reiche Privatpersonen oder Vermögensverwaltungen aus Deutschland seien die ersten gewesen, die vermehrt nach erstklassigen Immobilien in der Schweiz gefragt hätten, sagt Philippe Mueller, Partner beim Zürcher Immobilienmakler Kuoni Mueller & Partner (KMP). Diese Akteure würden besonders aggressiv am Markt auftreten und seien bereit, deutlich mehr zu bezahlen als Schweizer Investoren. Einheimische stiegen bei Renditen von etwa 3,5 Prozent aus, die deutschen Interessenten nähmen dagegen teils eine Null-Rendite in Kauf, um ihr Geld in eine attraktive Immobilie aus Beton zu verwandeln.

Laut dem Büromarktbericht des globalen Immobilienspezialisten Colliers International steigt die Nachfrage nach Schweizer Immobilien stark. Ganz oben auf der Wunschliste der Investoren stehen jene Büro- und Geschäftsimmobilien, die auch durch im Ausland wohnhafte Personen ohne Einschränkungen gehandelt und gehalten werden dürfen – was in der Schweiz nicht bei allen Immobilien der Fall ist. Besonders begehrt seien historische Liegenschaften im Zentrum von Zürich oder Genf genauso wie Anwesen an prominenten Lagen am Genfer See. Dafür würden Preise von bis zu 50 Mio. Franken (rund 52 Mio. Euro) bezahlt.

Gleichzeitig verfügen diese Investoren über einen sehr langfristigen Anlagehorizont. Es gehe nicht um eine baldige Wertsteigerung. Das Objekt werde vielmehr in der Familie vererbt. “Häufig sind es reiche deutsche Familien, sehr wohlhabende Industrielle, die ihr Unternehmen an die Börse gebracht oder verkauft haben und nun über hohe Liquidität verfügen”, sagt Mueller. Sie nähmen auch Nachteile wie Wechselkursverluste in Kauf.

Nicht nur Privatpersonen, auch professionelle Immobilieninvestoren mit internationalem Portfolio seien derzeit oft interessiert an der Schweiz. Sie griffen allerdings nicht so schnell zu wie die Privatleute. “Die paneuropäischen Investoren entscheiden sich für die Schweiz, wenn sie für ihr Depot eine ultradefensive Position suchen”, sagt Paul Gerlich, Investmentberater bei der Immobiliendienstleistungsgruppe SPG Intercity.

Nicht verzichten auf Mindestrendite

Dennoch können solche Investmentgesellschaften nicht auf ihre Mindestrendite verzichten. Daher sind sie angesichts der im paneuropäischen Vergleich hohen Immobilienpreise in der Schweiz zurückhaltend. Nina Flückiger, Leiterin Brokerage bei Colliers in Zürich, sagt, trotz vieler Anfragen sei es nur in wenigen Fällen zu einem Abschluss gekommen. “Angesichts der Währungsverluste, die ein Investor aus dem Euro-Raum in Kauf nehmen muss, sowie der vergleichsweise hohen Immobilienpreise und der niedrigen Renditen überlegen es sich solche Investoren zweimal, ob sie tatsächlich in der Schweiz investieren wollen”, sagt Flückiger.

Denn die Renditen für Büroimmobilien der Top-Klasse waren in der Schweiz in den vergangenen Jahren rückläufig. Paneuropäische Anleger lassen nach gründlicher Prüfung oft am Ende die Finger von Schweiz. Sie weichen dann etwa nach München aus. Dort gibt es zwar etwas weniger Sicherheit, doch immerhin noch Rendite.

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